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	<title>Manfred Fenn &#187; Erkenntnis und Sprache</title>
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		<title>Erkenntnis und Sprache</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 23:16:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manfred Fenn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erkenntnis und Sprache]]></category>
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		<description><![CDATA[1) Seit Jahrtausenden sucht der Mensch Erkenntnis. Er sucht sie, die Erkenntnis, hinter dem, was wir uns mitteilen können, hinter der Mauer des Todes, hinter den Grenzen des Universums, hinter den Funktionen des Kleinsten. Er nutzt jede Disziplin, jede Wissenschaft um dieses Geheimnis zu lüften.
Und bei aller auch t/w berechtigten Kritik gegen die Forschung, gegen den Fortschritt, hat der Sucher der Allgemeinheit Mensch vieles erdacht und erbracht. Medizin, Mobilität, moderne Staatsformen haben das Leben vielerorts angenehmer werden lassen und den Schmerz erträglicher gemacht.
Der Mensch ist Forscher, Suchender, ein nach Erkenntnis Strebender. Jeder Fortschritt ist ihm ein Aha-Erlebnis, stagniert seine Forschung jedoch, hat er sich festgefahren oder bearbeitet er die großen Fragen nach dem Ding an sich, nach dem Geheimnis des Todes, nach Grenzen im Großen und im Kleinen, klagt er wie Hiob und fühlt sich ungerecht behandelt, weil er die endgültige Lösung noch nicht gefunden hat. Wenn es denn eine gibt!
Man sollte sich schon klarmachen, dass es eventuell wirklich kein Ding an sich gibt, kein Leben nach dem Tode und insbesondere keine endgültigen Lösungen im Großen oder im Kleinen. Ein Grund hierfür ist, dass der Mensch nicht einmal in der Lage ist, sich im Alltagsleben ausreichend zu artikulieren. Erst wenn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>1)</strong> Seit Jahrtausenden sucht der Mensch Erkenntnis. Er sucht sie, die Erkenntnis, hinter dem, was wir uns mitteilen können, hinter der Mauer des Todes, hinter den Grenzen des Universums, hinter den Funktionen des Kleinsten. Er nutzt jede Disziplin, jede Wissenschaft um dieses Geheimnis zu lüften.</p>
<p>Und bei aller auch t/w berechtigten Kritik gegen die Forschung, gegen den Fortschritt, hat der Sucher der Allgemeinheit Mensch vieles erdacht und erbracht. Medizin, Mobilität, moderne Staatsformen haben das Leben vielerorts angenehmer werden lassen und den Schmerz erträglicher gemacht.</p>
<p>Der Mensch ist Forscher, Suchender, ein nach Erkenntnis Strebender. Jeder Fortschritt ist ihm ein Aha-Erlebnis, stagniert seine Forschung jedoch, hat er sich festgefahren oder bearbeitet er die großen Fragen nach dem Ding an sich, nach dem Geheimnis des Todes, nach Grenzen im Großen und im Kleinen, klagt er wie Hiob und fühlt sich ungerecht behandelt, weil er die endgültige Lösung noch nicht gefunden hat. Wenn es denn eine gibt!</p>
<p>Man sollte sich schon klarmachen, dass es eventuell wirklich kein Ding an sich gibt, kein Leben nach dem Tode und insbesondere keine endgültigen Lösungen im Großen oder im Kleinen. Ein Grund hierfür ist, dass der Mensch nicht einmal in der Lage ist, sich im Alltagsleben ausreichend zu artikulieren. Erst wenn das möglich wäre, kann eine grundlegende Fragestellung formuliert werden.</p>
<p>Also sollten wir klar umreißen, was denn die Grenzen der Mitteilung sind, bevor wir versuchen, uns darüber hinauszulehnen.</p>
<p>Viele Sprachkritiker behaupten, dass eine Verständigung nicht möglich. Was innerhalb einer Minute auf dieser Welt von mittlerweile ca. 7 Milliarden gesprochen und verstanden wird, widerspricht dieser Aussage scheinbar.</p>
<p><strong>2)</strong> Das Unverständnis ist zwar viel älter, aber einen speziellen Fall, über den heute noch gestritten wird, finden wir im antiken Griechenland. Platons Höhlengleichnis behauptet eine Welt hinter der uns sichtbaren. Wir sähen nur die Schatten der Dinge an sich, das Ding selbst, die Idee, das Urbild bleibe verborgen. Seine Widersacher, die Nominalisten, behaupten dagegen, es gäbe Einzeldingen, Universalien.</p>
<p>Platons Erklärung fußt auf der Wahrnehmung des Menschen von Ähnlichem, das nur Ähnliches hervorbringt. Die Nominalisten meinen, dass es nichts Gleiches gäbe. Es existieren eben ausschließlich Universalien, kein Blatt sei wie das andere, kein Mensch sei wie ein anderer.</p>
<p>Doch liegt die Lösung klar auf der Hand. Während die einen vom Ähnlichen reden, meinen die anderen Gleiches.</p>
<p>Obwohl gelöst, ist hierdurch ein großes philosophisches Problem so eigentlich doch nur auf eine andere Ebene gestellt. Denn es ist klar, dass bei diesem „Problem“ aneinander vorbeigeredet wurde. Der Nominalist hätte die Ähnlichkeit zwischen den Blättern zugeben sollen, während der andere Ähnliches nicht mit Gleichem hätte gleichsetzen sollen.</p>
<p>Es mangelt eigentlich an der (richtigen) Fragestellung.</p>
<p>Wer sind wir? Wer ist der Mensch? Wie sind wir beschaffen? Sind wir geschaffen (oder Zufall)? Und endlich: Wenn geschaffen, wer hat uns geschaffen und zu welchem Zwecke? Für den, der glaubt, löst die Religion das Rätsel. Er schaltet das Denken auf Sparflamme und stellt die Suche ein. Doch tatsächlich tappen wir, zugegeben, im Dunkeln. Denn auch der hellste Kopf konnte bislang kein Licht in diese geistige Finsternis tragen.</p>
<p><strong>3)</strong> Da, wo die Sprache ungenügend wird, dort, wo der Sprachkritiker hadert, wo es ihm an Mitteilungsmöglichkeit mangelt, fehlt ihm zuallererst an der Fragestellung.</p>
<p>Was will er mitteilen und was kann er nicht zu Papier bringen? Es ist doch sein Empfinden, sein Gefühl, seine Begegnung mit dem Transzendenten, wo sich der Mangel der Ungenügsamkeit der Sprache offenbart. Was die Ausdrucksmöglichkeit, die Sprache hemmt, liegt vorweg weniger an der Sprache als an dem Mangel an Wahrnehmungsorganen. Mit seinen fünf Sinnen bemüht sich der Mensch, die ihn umgebende Dunkelheit auszuleuchten.</p>
<p>So erfasst er mit Auge und Ohr nur einen winzigen Ausschnitt des von der Mathematik und Physik bewiesenen Wellenbereiches. Er müht sich ab, die Dunkelheit des Unbekannten mit Hilfe seiner Organe und seines Denkapparates auszuleuchten. Es ist ein Unterfangen, das sich weit aus schwieriger, als mit einem einzigen Streichholz Licht in einen Wald zu tragen. Dieses Gleichnis hinkt gar nicht so sehr, wie der kritische Leser meinen könnte. Mit seinem brennenden Hölzchen ist er wohl in der Lage, den ganzen Wald zu entzünden, bevor er den ersten Baum sieht. Denn sein Zündholz sind Atomkraft, Gentechnologie, der Mini-Urknall der Wissenschaftler in Cern und andere trübe Lichtlein, die das Leben auf unserem blauen Planeten gefährden können.</p>
<p>Und in dieser Weise sucht der Mensch die Antwort, um dann zur Frage zu gelangen.</p>
<p><strong>4)</strong> In der Vergangenheit wurde Denken oft mit der Sprache gleichgesetzt und der Kritiker wird fragen, wie denn das Denken etwas Neues erfassen könne, von dem ihm der Ausdruck fehlt.</p>
<p>Es scheint, als denke der Mensch mit Begriffen, die, bildlich gesprochen, wie in kleine Gefäße in sein Hirn gegossen werden. Diese Gefäße waren bei seiner Geburt noch nicht gefüllt, manche existierten gar nicht. Er hat die Anlage in sich, diese Gefäße zu füllen und es können neue Gefäße entstehen. So verhält es sich mit der Muttersprache, die auch jede andere sein könnte. Die Begriffe werden jedoch in ihrem ganzen Umfang erst nach und nach verstanden.</p>
<p>Entfernt ist der Vorgang der Sprache der Computerprogrammierung ähnlich. Zuerst werden alle Programme in der Maschinensprache (0 und 1) geschrieben, danach fügt der Programmierer Sequenzen zu umfangreichen neuen Befehlen zusammen. Das heißt, dass immer noch die Programmierung neuer Befehle (und anderer „Routinen“) in der Maschinensprache möglich ist und diese dann wieder zu größeren Befehlseinheiten zusammengefasst und auch von anderen Programmiersprachen übernommen werden können.</p>
<p>In dieser Weise wäre auch die Funktion des Gehirns (von dem der Computer abgeleitet wurde und nicht umgekehrt) zu erklären.</p>
<p>Doch das Denken selbst ist ein anderer Prozess. Das ist aus folgendem Beispiel abzuleiten. Ein Begriff, den man oft genutzt hat, ist just in dem Moment, wo er gebraucht wird, nicht parat. Das Wort aber „liegt einem auf der Zunge“. Man weiß aber genau, was man sagen, ausdrücken will. Etwas später fällt einem der Ausdruck wieder ein. Das Denken jedoch ist ohne ihn ausgekommen. Und ein weiteres Beispiel: Leipziger Wissenschaftler haben im Jahr 2006 bewiesen, dass auch Orang Utans Denken können. Aus diesen Fakten ist zu folgern, dass das Denken die Sprache nicht benötigt.</p>
<p>Das Empfindungen nur in bestimmtem Umfang mit Worten ausgedrückt werden können, ist allgemein bekannt. Jeder hat die Erfahrung des Schmerzes, der Trauer, der Liebe gemacht. Die Sprache genügt nicht, Gefühle zu präzisieren. Was der „Eine“ empfindet, vermag der Andere nur selten verstehen.</p>
<p><strong>5)</strong> Da schon zwei Menschen ihr Innerstes einander nur ungenügend mitteilen können, wird die Nachricht der Erkenntnis kaum einen anderen erreichen. Satori und Samadhi können bislang verbal ebenso wenig übermittelt werden, wie auch andere „Grenzerfahrungen“ für Dritte unverständlich bleiben. Erkenntnis scheitert hier an unseren Ausdrucksmöglichkeiten. Ob der Erleuchtete wirklich erleuchtet ist, kann er verbal niemandem mitteilen. Seine Erkenntnis bleibt den anderen verborgen, denn selbst diesem Erleuchtetengenügt das Medium Sprache nicht.</p>
<p>Das Verstehen der Relativitätstheorie ist Mathematikern und Physikern nur mit Hilfe von Zahlen möglich. Alle Versuche einer sprachlichen Darstellung sind bislang unvollkommen, sprich gescheitert. Die Sprache bleibt eine Krücke zum Verständnis miteinander, die Erkenntnis bleibt auf der Strecke.</p>
 
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